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- Guy -
Ironischerweise schreibe ich nach meinem ersten Blog über Berlin „The last Bohemian Place on Earth…“ diesmal über ein Wochenende in der ehemaligen böhmischen und der heutigen tschechischen Hauptstadt, Prag. Vor zwei Wochen bin ich mit einigen Freunden in die so genannte „Goldene Stadt“ gefahren. War’s gut? Naja…Ein toller Wochenendurlaub mit Freunden, aber ich muss zugeben, dass ich um die Seele der Stadt fürchte …
Prag ist einer der beliebtesten Urlaubsorte Europas, jedes Jahr werden durchschnittlich rund vier Millionen Touristen gezählt. Aber warum ist die Hauptstadt der Tschechischen Republik ein so beliebtes Ziel? Zum einen hat sie – über 1100 Jahre alt – eine reiche Geschichte und viele Sehenswürdigkeiten, zum Anderen ist die Reise günstig: Billigfluggesellschaften bieten Flüge für weniger als 75€ nach Prag – die Vorteile liegen also auf der Hand: eine der ältesten und schönsten Städte Europas kann man für wenig Geld besuchen, und dabei gleichzeitig Kultur und Nachtleben erleben. Allerdings ist mir in Prag eigentlich kaum ein Tscheche begegnet…
Ich war zum dritten Mal in Prag, also zuerst betrachtete ich mich zunächst als echter Fachmann der Stadt… Es war allerdings ein Fehler, das meinen Freunden mitzuteilen, ich wurde auf der Stelle zum Reiseführer auserkoren, und wie ich während des Wochenendes feststellen durfte: das ist keine Joboption für mich. Wir hatten uns ein Auto mit Navi geliehen und mithilfe der komischen Stimme von Yoda aus Star Wars sind wir um 22.00 kamen wir gegen 22 Uhr am Freitagabend in Prag an. Zwischen einem fragwürdigen Casino und einer leeren Bar fanden wir unsere Herberge. Außenpfui: schrecklich innenpfui: zweistöckiges Zimmer komplett mit Küche, Großbildschirm und Sofas aus Leder entdeckt. Nach einem kurzen Spaziergang um unseren Bewegungsdrang abzubauen, sind wir früh ins Bett gegangen, damit wir früh am Samstagmorgen als Touristen beginnen könnten.
Die Stadt ist keine Enttäuschung – in der Altstadt kann man die wunderschöne Karlsbrücke, den Altstädter Ring und der Prager Burg sehen. Am Samstagmorgen trotzten wir der Menge und gingen wir zur Prager Burg. Da gibt’s ein toller Blick über der Stadt. Nachdem wir ein paarmal falsch abgebogen sind (die Schuld lag auf jeden Fall beim Reiseführer…), haben wir das Franz Kafka Museum gefunden. Die Kafka Ausstellung war durchaus der Höhepunkt des Wochenendes: nicht nur ein faszinierender Blick auf Leben und Werk eines der größten deutschsprachigen Schriftstellers, sondern eine schöne Darstellung Prags vor einem Jahrhundert. Für Sonntagmorgen haben wir uns entschieden, die Synagogen des jüdischen Stadtteils der Altstadt zu besuchen.
Am Abend war’s leider ganz anders. Im Gegensatz zu den bildschönen Kathedralen der Altstadt konnten wir nur charakterlose Tourist-bars finden. In der ersten Bar war’s teuer und voll gepackt mit jungen Amis, aber trotzdem nicht schlecht. Zu meinem Entsetzen kam irgendwann eine große Gruppe englischer Jungs rein. Sie trugen alle T-Shirts mit dem Aufdruck A „Shane’s Stag Do“ (Junggesellenabschied) und waren total besoffen. Sie waren ganz laut, unangenehm und hatten kein Respekt vor den anderen Menschen in der Bar. Obwohl es niemandem gefällt, seine Landsleute als Touristen im Ausland zu treffen in diesem Moment war ich besonders beschämt, englisch zu sein.
Anschließend haben wir einen fünfstöckigen Club mitten in der Stadt gefunden, es gab in jedem Stockwerk unterschiedliche Musikstile und günstige Getränke, also der Abend hat mir viel Spaß gemacht. Anderseits hätte ich in London, Paris oder New York sein können. Ich war enttäuscht, kaum echte tschechische Kultur erlebt zu haben.
Vielleicht ist es auf meinen Mangel an Schlaf zurückzuführen, oder auf meine Begegnung mit „Shane’s Stag Do“, oder vielleicht hat meine Begegnung mit der Schönheit des Prags aus Franz Kafkas Zeiten meinen Blick abgelenkt, aber als ich den Irish Pubs, den billigen Herbergen und den zahllosen Touristengruppen Lebewohl sagte, habe ich einen Seufzer der Erleichterung ausgestoßen. Ich hatte ein Wochenende in der Goldenen Stadt verbracht, aber für Prag ist das 21. Jahrhundert mit seinen Errungenschaften nicht wirklich ein goldenes Zeitalter.
Eingetragen von GBurkitt am 24.04.2008 | 15:04 Uhr.
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.Bewertung Keine goldene Zeit für die goldene Stadt

von: Stephan
1 Antwort
Letzte Antwort: 06.05.2008 16:08
Klar Stefan muss ich mit dir stimmen - es lohnt sich auf jeden Fall nach Prag zu fahren - aber man muss sich darauf vorbereiten, eine sehr touristische Stadt zu entdecken. Ich hab' viele große Städte in Europa besucht - oft in den Sommerferien - und ich hab' am Anfang April in Prag mehr Touristen als jemals zuvor gesehen. Gestern Abend habe ich mit meinen Mitbewohnern darüber geredet und wir haben uns geeinigt, dass es vielleicht auf die Größe der Stadt zurückzuführen ist. Die Altstadt Prags ist sehr klein, und aus diesem Grund hat man in diesen niedlichen Straßen das Gefühl, dass man von Touristen überlastet wird. Trotzdem muss ich sagen, dass ich immenoch um die Seele der Stadt fürchte - und leider liegt die Schuld bei vielen meiner Landsleute. .Details
von: GBurkitt













