.Berlins Barkeeper – Bar im Wasserturm
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Um ein wenig Abwechselung zu bekommen, sind wir nach Hohenschönhausen gefahren und haben dort die Bar im Wasserturm ge- und besucht. Zugegeben, ein wenig versteckt ist sie schon, aber einen Wasserturm kann man eigentlich nicht übersehen: Im Villenviertel Hohenschönhausens, welches um 1900 erschlossen und errichtet wurde, findet sich am Obersee der alte Wasserturm, erbaut, um die Villenkolonien am Ober- und Orankesee mit Wasser zu versorgen. Ein Geschichtsträchtiges Gebäude, dass während des Kriegs als Flak- Stützpunkt diente, zu DDR- Zeiten eine Funkstation war und sich heute in Privatbesitz befindet.
Vier Jahre ist es her, dass Turmherr Martin und seine Frau Kristin den Turm erwarben und ein Konzept erstellten, das die Nutzung des Turms als Wohn- und Gastronomieprojekt vorsah.
Pfingsten dieses Jahres war dann alles soweit fertig, dass Eröffnung gefeiert werden konnte. Kein „Grand Opening“ – sondern bescheiden und ruhig, um einem wechselseitigen Prozess der Anpassung von Gästen und Bar Raum geben zu können. Der Feinschliff des Konzeptes passiert noch, soll ein dynamischer Prozess sein. Ein Beispiel dafür: die Terrasse mit Blick auf den Obersee sollte eigentlich nur eine Übergangslösung sein und war nicht fest eingeplant, wird aber so gut angenommen, dass sie nun fest integriert werden soll in den Barbetrieb.
Mittlerweile hat sich ein Stammpublikum gefunden, meist kommen die Leute aus der näheren Umgebung, aber auch internationale Gäste finden häufiger den Weg in den Wasserturm. Praktisch: am Kranz des Turms lässt ein Lichtsignal wissen, ob geöffnet oder geschlossen ist. Ganz einfach: Grün bedeutet geöffnet, Rot bedeutet geschlossen. Geplant ist auch Orange: die letzte Runde ist eingeläutet, es wird bald geschlossen.
Die Cocktailkarte ist relativ kurz, besteht aus Klassikern, das Angebot wechselt häufig. In Planung ist eine Karte mit 90 Cocktails, die Auswahl an Weinen und Whiskey soll erweitert werden. Barchef Christian Harder serviert seinen Gästen klassische Cocktails aus hochwertigen Ingredienzien – Gute Klassiker statt Firlefanz.
Martin und Kristin haben einige Zeit gesucht, bis sie in Christian einen adäquaten Barchef fanden. Ihnen war wichtig, dass ihr Barchef seinen Job als Profession empfindet und nicht nur als Übergangsphase, bis sich etwas anderes findet (oder bis das Studium beendet ist).
Mit Christian haben sie da wohl jemanden gefunden, der Leidenschaft für seinen Job empfindet: Er stammt aus Rostock, hat nach der Schule in einem völlig anderen Bereich eine Ausbildung gemacht: er ist gelernter KFZ- Mechaniker. Einige Jahre später folgte die Erkenntnis, dass ihm Kommunikation mit Menschen viel wichtiger ist und ihm auch viel mehr liegt als der Umgang mit Maschinen, Stahl und Motoren. Die Umschulung zum Hotelfachmann folgte, anschließend ging es nach Tirol, wo er dann schließlich als Commis hinter der Bar eines 5- Sterne Hotels landete. Die Leidenschaft für den Barjob war geweckt, und es ging zurück nach Rostock an die Barschule, wo er seinen „Barchef“ machte. Mit dem frischen IHK- Abschluss ging es von Rostock nach Berlin, in die Bar im Wasserturm, als Barchef. Er hat einiges vor mit der Bar, alle zwei Wochen werden Themenabende veranstaltet, unter anderem gab es einen Martiniabend, an dem sich alles um diesen klassischen Cocktail und seinen berühmtesten Fan drehte: James Bond. Die Soundtracks der Filme wurden gespielt, die Garderobe des Barchefs war entsprechend.
Die Bar im Wasserturm ist definitiv einen Ausflug wert. Eine entspannte, freundliche Atmosphäre in einer interessanten, liebevoll restaurierten Location. Die grüne Umgebung bei einem leckeren Cocktail - gut, einfach mal die Seele baumeln zu lassen, fernab dem Trubel von Berlin Mitte und den anderen Szenevierteln.
Text und Bilder: Jul
Eingetragen von Jul am 24.08.2007 | 12:08 Uhr.













