.2 unterschiedliche Partykulturen - Guy
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Mein letzter Blog handelte von Prag und seiner Touristen- Kultur, also wollte ich mich diesmal wieder auf deutsche Barkultur konzentrieren. In der letzten Woche hatte ich zahlreichen Besuch aus England hier bei mir in Berlin und wollte ihnen einen kurzen kulturellen Überblick Berlins geben. Ob ich’s geschafft hab? Glaub’ schon…Sie haben auf jeden Fall einen guten Eindruck vom Berliner Nightlife bekommen – und es ist uns in einer vollgepackten Woche gelungen, die englische Trinkkultur in allen Einzelheiten darzustellen und gegen eine deutsche Mannschaft beim Fußball zu verlieren – man vergisst nie seine kulturelle Wurzeln… Als englischer Berliner oder berliner Engländer fand ich es ein interessantes Treffen von zwei sehr unterschiedlichen Partykulturen
Die Woche begann am Dienstagabend mit fünf Engländern in der Kegelbahn Bowlero in Friedrichshain. Unter uns Engländer hier in Berlin bekannt als „Lash-Bowling“, gibt’s dort am Dienstag einen „all you can drink“ Abend, also haben wir 3 Stunden Bowling gebucht, damit wir gleichzeitig unsere Bowling-Lust und unseren Durst abbauen konnten. Nach vier spannenden Runden ließ die Qualität unseres Spiels zwar kontinuierlich nach, trotzdem hat es uns viel Spaß gemacht und es war das perfekte Vorglühen vor einem Brit-Pop Abend in Magnet Club. Seit langem eine Partynacht unter Engländern, musste ich gegen die Welle von Schnaps – und zwar Jägermeister und Sambuca - kämpfen. Lecker.
Nach einem ruhigen Abend am Mittwoch – das Champions League Halbfinale stand im Mittelpunkt – gingen wir am Donnerstag in den Sage Club. Ein Club mit Kicker, Pool und mehreren Tanzflächen, die perfekte Berliner Nightlife- Erfahrung für meine Freunde. Wir haben versucht, alles im Club mitzunehmen – einige haben Kicker gespielt, einige haben die Techno und Elektro Beats auf der Tanzfläche genossen und einer meiner Freunde ist, nur noch in Unterhosen gekleidet, kurz in den Pool gesprungen, um einem Madchen zu imponieren. Hat aber leider nicht geklappt…
Am Freitag sind wir nach Friedrichshain um Fußball zu spielen. Dort konnten wir leider nicht den Vorurteilen gegen Engländer entgegenwirken. Obwohl unsere deutschen Gegner viel jünger und kleiner waren als wir, haben sie uns leicht geschlagen, mal wieder eine Katastrophe für den englischen Fußball. Nach dieser beschämenden Niederlage habe ich meine Aufmerksamkeit auf die kommende Partynacht gerichtet - die zweite Gruppe von englischen Freunden war gerade in Schönefeld gelandet. Nach einem Trinkspiel bei mir – „Ring of Fire“ – typisch unter englischen Studenten, sind wir ins Rosi’s in Friedrichshain gegangen. Nach dem typisch englischen Trinkspiel, wollte ich meinen Freunden mal was anderes zeigen. Ich hielt den Indie Club im Osten für den perfekten Kulturschock für meine Freunde, die an kommerzielle englische Clubs gewöhnt sind. Mit einer kompletten Küche und zahlreichen Wohnzimmern mit Sesseln darin, ist es im Rosi’s wie in einem großen Haus. Allerdings wird man mithilfe der allgegenwärtigen Graffitis und der lauten Rockmusik daran erinnert, dass man in einem Club ist! Ich würde das Rosi’s auf jeden Fall empfehlen – es ist ziemlich günstig und für mich ein gutes Beispiel des Berliner Zeitgeists.
Nach einem entspannten Samstagabend in Mitte mit leckerem Essen im „White Trash Fast Food“ und schönen Cocktails in Bellini Lounge waren wir am Sonntagmorgen wieder im Osten. Wir haben am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg gefrühstückt, danach waren wir im Mauerpark, um auf dem Flohmarkt Schnäppchen zu finden. Obwohl wir keine fanden, waren wir uns beim anschließenden Chillen im Park einig, dass sich unser Besuch sich gelohnt hat.
Nach einem schönen Picknick und noch ein paar Trinkspielen im Tiergarten haben wir uns entschieden, ins Weekend zu gehen. Die Musik war toll – eigentlich habe ich mich zum ersten Mal für Elektromusik begeistert. Mithilfe der tollen Musik und des schönen Blicks über Berlin war’s ein cooler letzter Abend mit meinen englischen Freunden.
Aber warum war es „ein interessantes Treffen von zwei sehr unterschiedlichen Partykulturen“? Dieser erste Besuch von Freunden hat mir deutlich gezeigt, dass zwischen der englischen und der berliner Partyszene riesigen Unterscheide herrschen. In England ist Alkoholkonsum untrennbar mit einer guten Partynacht verbunden – es wird angenommen, dass ohne Alkohol nichts geht. Deswegen gehören komische Gewohnheiten wie Trinkspiele zum Alltag in England - Alkohol wird im wahrsten Sinne des Wortes eine greifbare Präsenz während der Partynacht.
In Berlin ist’s jedoch ganz anders. Man wählt einen Club wegen eines besonderen DJs oder eines Musikstils. Das sind mittlerweile immer meine ersten Fragen, wenn ich hier in Berlin einen Club wähle: Wer spielt? Was für ein Musikstil? Natürlich spielen auch in England Musikstil und DJ eine Rolle, aber andere Faktoren wie der Preis der Getränke nehmen oft den Spitzenplatz ein. Bei unzähligen Gelegenheiten habe ich nach zu viel billigem Wodka- Red Bull in Bristol zu Hanson’s „Mmm-Bop“, „Angels“ von Robbie Williams oder dem Song von Baywatch getanzt. War ich auf der Tanzfläche wegen der geilen Mucke eines besonderen DJs? Ich glaub’ nicht…
Ich erinnere mich an einen Abend in Cassiopeia am Anfang meiner Zeit hier in Berlin – ich sprach mit einem Mädchen, das eine „Bionade“ auf der Tanzfläche trank. Ich war überrascht, kein alkoholisches Getränk in ihrer Hand zu sehen, und hab’ sie automatisch für die Chauffeurin ihrer Freunde gehalten, war sie aber nicht...
Also: es war eine tolle Woche mit Freunden – voll lustiger Geschichten, witzigen Fotos und komischer Momente – wie immer. Zwei Tage später bin ich mit einem Freund aus Berlin zu einer Party gegangen. Ich stand auf der Tanzfläche, mit einer „Bionade“ in der Hand – nicht als Chauffeur – genau wie das Mädchen im Cassiopeia...
Eingetragen von GBurkitt am 08.05.2008 | 14:05 Uhr.













