Launige Spezialitäten servieren die Kieler Philharmoniker im Oktober
So erweisen sich die ersten zwei Stücke als Intermezzi eines Intermezzo: nämlich als die ersten beiden der sinfonischen Zwischenspiele aus Richard Strauss? ?Bürgerlicher Komödie? "Intermezzo". In scheinbar vertrautem Walzerschwelgen, das jedoch erst durch die strausstypischen spätromantischen Verrückungen seine ganz spezielle Note gewinnt, zeichnen diese Zwischenspiele fast das komplette "Eifersuchtsdrama" der Christine Storch ? Kapellmeistersgattin und kapriziöse Nervensäge ? in sinfonisch verdichteter Form nach. Das erste bereitet den Boden der folgenden Eheverwirrungen: Die elektrisierende Aufbruchshektik der Eröffnungsszene
gleitet nahtlos in eine lautmalerische Rodelfahrt, die ihrerseits in ein außereheliches Walzer-Abenteuer schlittert, während das zweite der Zwischenspiele beweist, dass sich zumindest in träumerischen Gedanken die Vorzüge eines Ehemanns durchaus mit denen eines Verehrers verbinden lassen.
Samuel Barber
Der amerikanische Komponist Samuel Barber versuchte stets, die breite tonale und formale Palette des späten 19. Jahrhunderts mit einem ausgesprochenen Lyrismus zu verbinden, weshalb "gefühlvoll" eines der treffendsten Schlagworte für Barbers Musik sein dürfte. Sein Cellokonzert gilt indessen als eines der schwierigsten seiner Gattung, wobei neben virtuosen und dramatischen Effekten auch hier der emotionale Faktor von hoher Bedeutung ist. Zudem versteht Barber es, dem musikhistorischen Erbe zu einer ganz neuen, dabei aber keineswegs verstörenden Frische zu verhelfen.
Richard Strauss
Miguel de Cervantes? Roman bot alles, was das Herz des Komponisten begehrte: präg-nant gezeichnete Charaktere, eine bestechende stilistische Vielfalt sowie eine spannungs-reiche Handlung. Diese reicht bei Strauss von Don Quixotes verhängnisvoller Ritterro-manlektüre über die Abenteuer mit den Windmühlen und der verzauberten Dulcinea bis zum Tod des ?Ritters von der traurigen Gestalt?. Zu den zahllosen musikalischen Über-raschungen, welche den inhaltlichen sekundieren wie Sancho Pansa seinem phantasiebe-gabten Herrn, gehören neben der äußeren Form ? einer Überlagerung aus Variationszyk-lus und konzertanter Sinfonie ? Blechbläser, die auf raffinierte Weise als furchteinflößen-de Schafsarmee herbeitremolieren oder eine Windmaschine, die Don Quixote sogar einen Ritt durch die Luft ermöglicht.
Der Solist: Wolfgang Emanuel Schmidt (Violoncello)
Wolfgang Emanuel Schmidt ? wird auch im darauf folgen-den Werk anspruchsvolle Aufgaben übernehmen, denn das Solo-Cello verkörpert den Helden von Richard Strauss? Sinfonischer Dichtung "Don Quixote".
Wolfgang Emanuel Schmidt konnte schon während seines Studiums bei zahlreichen Wettbewerben auf sich aufmerksam machen: so gewann er u.a. beim Internationalen Rostropowitsch-Wettbewerb den Grand Prix de la Ville de Paris und den Preis für zeitge-nössische Musik.
Seitdem konzertiert er in Europa, Russland, Asien und den USA als Solist mit renom-mierten Orchestern wie z.B. dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Orchestre Philharmonique de Radio France und dem Tokyo Symphony Orchestra unter Dirigenten wie Charles Dutoit, Marek Janowski, Gerd Albrecht und Michael Sanderling. Ebenso ist er gern gesehener Gast u.a. bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen, beim Rheingau-Musikfestival und dem Schleswig-Holstein Musik Festival. Intensiv widmet er sich auch dem Kammermusikspiel, u.a. zusammen mit Lang Lang, Emanuel Ax und Nikolaj Znaider. 2001 erschien Schmidts CD "French Impressions", 2004 folgte seine in der Presse hochgelobte Einspielung von Prokofjews Cellokonzerten, und 2009 wurde u.a. seine Interpretation von Blochs "Voice in the Wilderness" veröffentlicht. Wolfgang Emanuel Schmidt spielt auf einem Violoncello von Matteo Gofriller.
Der Dirigent: Christof Prick
Von 2006 bis zum Juli 2011 war Christof Prick Chefdirigent der Nürnberger Philharmo-niker am Staatstheater Nürnberg. Bereits ab 1974 hatte ihn seine Karriere als Generalmu-sikdirektor an die Staatstheater von Saarbrücken, Karlsruhe sowie an die Staatsoper Hannover geführt. Außerdem war er seit den 1980er Jahren ständiger Gast der Wiener Staats-oper, der New Yorker Metropolitan Opera, der Lyric Opera of Chicago, der San Francisco Opera sowie seit 1992 regelmäßiger Gastdirigent an der Dresdner Semperoper mit einer jährlichen Neuproduktion (z.B. "Der Freischütz", "Parsifal", "Tristan und Isolde", "Salo-me" und "Falstaff"). Zusätzlich wirkte Christof Prick u.a. am Opernhaus Zürich, der Deutschen Oper Berlin, der Deutschen Oper am Rhein sowie an der Hamburgischen Staatsoper.
Über seine Tätigkeit im Opernbereich hinaus widmete und widmet sich Christof Prick stets auch sehr intensiv dem sinfonischen Bereich. 1992-95 war er Musikdirektor des Los Angeles Chamber Orchestra, von 2000-2010 Chefdirigent und künstlerischer Leiter des Charlotte Symphony Orchestra in North Carolina (USA). Daneben gastierte er bei nahezu allen nordamerikanischen Top-Orchestern, darunter New York Philharmonic, Los Ange-les Philharmonic und Boston Symphony. In Europa arbeitete Christof Prick mit so nam-haften Orchestern wie dem Orchestre National de France, Orchestre National de Lyon, Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, den Rundfunkorchestern des MDR Leipzig, WDR Köln, NDR Hamburg und dem SWR Stuttgart. 1999 wurde er zudem als ordentli-cher Professor für Dirigieren an die Staatliche Hochschule Hamburg berufen.